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Je mehr man weiss, desto mehr weiss man nicht *

Als ich kürzlich mit dem Fahrrad einen steilen Berg hinauffuhr, diskutierten Mirko und ich darüber, dass angesammeltes Wissen die Entscheidungsfindung komplexer macht. Dabei kam mir der Gedanke: "Je mehr man weiss, desto weniger weiss man", woraufhin Mirko erwähnte, dass jemand anderes* schon eine ganze Weile vor mir auf diesen Gedanken gekommen war. 🤷

Lesezeit 6 min

Portrait of Peter Whinyates
by  Peter Whinyates

Vor drei Jahren haben wir bei WONDROUS das monumentale Unterfangen gestartet, unsere Existenz zu überdenken. Die brennenden Fragen dabei waren: Wer sind wir, was tun wir, für wen möchten wir es tun, und wie sollten wir es angehen? Der Ablauf sah in etwa so aus: 

  1. Das gesamte Team ins Boot holen.

  2. Unsere organisatorischen Abläufe und Strukturen überdenken.

  3. Einen neuen Hauptsitz in Basel als Homebase schaffen, die zukunftssicher ist und unseren Plänen gerecht wird.

  4. Komplette Überarbeitung unserer Kommunikationsstrategie.

Nachdem diese ersten Schritte gemacht waren, machten wir uns daran unsere Website als digitales Hauptquartier neu aufzubauen. Und der gleiche Gedanke tauchte auch hier wieder auf. Man könnte meinen, dass es für uns als erfahrene Digitalagentur eine leichte Aufgabe ist, eine Website zu bauen. Schliesslich zeichnen wir uns seit vielen Jahren dadurch auszeichnet, genau dies für andere Unternehmen zu tun. Aber ganz ehrlich. Es ist es nicht. Warum? Weil wir zu viel wissen. Aber das ist eine gute Sache; wieso dem so ist, sollte in den kommenden Zeilen klar werden. 

Wenn man einen Anfänger bittet, einen Tisch zu bauen, werden die meisten in der Lage sein, vier Beine an ein Holzbrett zu nageln. Der Tisch wird ein wenig wackelig sein.Wahrscheinlich ist er auch ziemlich hässlich. Und ja, er wird wahrscheinlich auch bald einmal auseinander fallen. Aber man könnten es durchaus einen Tisch nennen. Nimmt man jedoch an, man ginge zu einem erfahrenen Schreiner, um einen Tisch zu bauen. In diesem Fall wird er haufenweise Fragen stellen, um festzustellen was für einen Tisch er genau bauen soll. 

>Wissen = >Komplexität

Angesichts unseres monumentalen internen Veränderungsprozesses beschlossen wir also, uns der Herausforderung zu stellen und unsere vier Jahre alte Webseite zu erneuern. Wir richteten dieses Projekt so ein, wie wir es für unsere Kunden tun. Wir wollten dadurch die Fallstricke des ultimativen "internen Projekts" vermeiden, nicht pünktlich und innerhalb des Budgets fertig zu werden. Wir erstellten also die Geschichte, blockten die Ressourcen und planten die verschiedenen Phasen und Aktivitäten akribisch und mit äusserster Sorgfalt. Nichts würde zwischen uns und dieses Projekt kommen. Es musste "in time" und "on budget" sein, wie jedes andere Projekt auch. 

Kürzlich hatte ich eine schöne Diskussion mit einem Gast im DX-Podcast. Wir haben beide Kinder und geniessen es beide, die Welt durch ihre Augen zu sehen. Das Nichtwissen kann ein solches Geschenk sein. Angetrieben von der Neugierde lernt man so viele Dinge. Etwas zum ersten Mal zu machen, ist eine fantastische Erfahrung. Von Moment an, in dem man seinen ersten Tisch erstellt hat, versteht man was falsch gelaufen ist und weiss, was beim nächsten Mal besser sein muss.

Fähigkeiten zu verfeinern und das, was man täglich tut, ständig zu perfektionieren, ist die grösste Herausforderung, wie Malcolm Gladwells Theorie der 10'000 Stunden bestätigen würde. Wenn man etwas zum 100. Mal tut, wird das Ergebnis sicherlich viel besser sein als beim ersten Mal. Man hat durch das Bauen von hundert Tischen einen gewissen Reichtum an Weisheit erlangt. Man weiss, dass es kein Zufall war. Und man weiss genau, was man gemacht hat und könnte es immer wieder reproduzieren, und das jedes Mal ein bisschen besser. 

Wir haben in den letzten 13 Jahren viele Webseiten und Plattformen für unsere Kunden auf den Markt gebracht – keine davon war perfekt. Das wird auch unsere neue Website nicht sein. Das ist die Realität bei digitalen Produkten. Aber es ist unser digitales Zuhause, und wir lieben es. Sobald wir in unser neues (altes) physisches Hauptquartier in Basel zurückkehren können, werden wir auch einen Grossteil unserer Fotos aktualisieren können. Ein weiterer kleiner Schritt in unserem Veränderungsprozess.

Ein riesen Lob an Caroline, die einen grossartigen Job gemacht hat, um alles zusammenzuhalten und uns alle auf Kurs zu halten! Simon hat mit der Hilfe von Georg einige wichtige Design-Updates vorgenommen. Sabine, Mirko und Manuel haben die ganze Sache programmiert und somit alles zum Laufen gebracht. Pünktlich und im Budget. Danke auch an Roman und Jonas für die Unterstützung bei den Texten. 

* Zitat von Aristoteles, einem griechischen Philosophen während der klassischen Periode im antiken Griechenland.


About the author

This is Peter

Sometimes you eat the bear, and sometimes, well, he eats you.

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